Experten Interview, Dr. Maurer – Kälteurtikaria

Keine Kommentare

Prof. Dr. Maurer ist Forschungsdirektor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie an der Charité Berlin. Er ist Experte in Sachen Urtikaria und hilft uns, Patientinnen über ihre Erkrankung nach dem letzten Wissenstand der Forschung sowie bestem Wissen und Gewissen zu informieren und aufzuklären. Prof. Dr. Maurer ist ein außerordentlich engagierter Mediziner, der sich auch in besonderem Maße für die Erforschung von Urtikaria einsetzt. Dr. Maurer ist eine große Bereicherung für den Urtikariaverband.

Lieber Hr. Dr. Maurer, vielen Dank, dass Sie sich für unser Interview Zeit genommen haben. Wie bereits angekündigt, beschäftigen wir uns passend zur Jahreszeit mit der Kälteurtikaria (KU), die ganz besonders jetzt viele Betroffene vor große Herausforderungen in deren Alltag stellt. Bevor wir uns der Beantwortung unserer Patientenfragen widmen, darf ich Ihnen noch einleitende Fragen zur KU stellen:

Welche Behandlung empfehlen Sie Patientinnen mit Kälteurtikaria?

Prof. Dr. Maurer: Als Behandlung der Kälteurtikaria werden in erster Linie nicht müde machende Antihistaminika empfohlen. Diese führen bei vielen Patienten, wenn sie täglich eingenommen werden, zu einem guten Schutz, es ist jedoch manchmal notwendig, mehr als die übliche Tagesdosis einzunehmen, also bis zu 4 Tabletten am Tag statt nur einer Tablette.

Für das Steuern der Behandlung einer Kälteurtikaria eignen sich Hautprovokationstests. Mit diesen Tests lässt sich feststellen, wie stark die Krankheitsaktivität ist und wie gut die Antihistaminika schützen. Die Tests zielen darauf ab festzustellen, ab welcher Temperatur die Haut beginnt zu reagieren. Je besser das Antihistaminikum wirkt, um so niedriger die Temperaturen, die notwendig sind, um Beschwerden auszulösen.

Dort wo Antihistaminika einen kompletten Schutz herstellen, ist es auch mit 4°C, der niedrigsten Testtemperatur, nicht möglich, Quaddeln auszulösen. Diese Provokationstests erlauben eine Therapie nach dem Grundsatz “so viel wie nötig, so wenig wie möglich”. Wenn sich bei diesem Test zeigt, dass Antihistaminika auch in vierfacher Tagesdosis nicht ausreichen, um die Beschwerden wirksam zu unterdrücken, dann lohnt sich die Beratung und Behandlung durch einen Spezialisten, denn es stehen neben den Antihistaminika mehrere wirksame Therapien zur Verfügung, mit denen sich das Auftreten von Kälteurtikaria-Beschwerden verhindern lässt, z. B. Omalizumab. Omalizumab ist ein anti-IgEAntikörper, der alle 4 Wochen in die Haut gespritzt wird und bei den meisten Patienten mit Kälteurtikaria zum Stillstand der Erkrankung führt.

Wie können Patientinnen erkennen, dass sie auch an Kälteurtikaria leiden könnten, insbesondere wenn es sich um eine Mischform handelt und die Beschwerden Kälte nicht unmittelbar zugeordnet werden können?

Für Patienten, die vermuten, dass sie eine Kälteurtikaria haben ist es wichtig, eine schlüssige Diagnostik durchzuführen. Hierzu zählt der Kälteprovokationstest, der sowohl als einfacher Eiswürfeltest durchgeführt wird oder mittels Bestimmung der Schwellentemperatur. Wenn diese Tests negativ sind, dann liegt keine typische Kälteurtikaria vor. Wichtig ist zu wissen, dass die Kälteurtikaria bei manchen Patienten zusammen mit einer anderen Form der chronischen Urtikaria auftreten kann, also z. B. einer chronischen spontanen Urtikaria oder auch einer Druckurtikaria oder einer cholinergischen Urtikaria. Wenn der Verdacht besteht, dass mehr als eine Urtikariaform vorliegt, sollte diesem Verdacht immer nachgegangen werden durch entsprechende Diagnostik.

Vorheriger Beitrag
Interview mit Dr. med. pharm. Geier
Nächster Beitrag
Tag der Selbsthilfe am 24. November 2019 im Wiener Rathaus

Eventuell interessieren Sie auch diese Themen

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Fill out this field
Fill out this field
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
You need to agree with the terms to proceed

Menü