Interview mit Prof. Dr. Staubach-Renz

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Frau Prof. Dr. med. Petra Staubach-Renz ist Oberärztin an der Haut- und Poliklinik der Universitätsklinik Mainz.

Sie leitet das CRC (Clinical Research Center), welches sich zum Ziel gemacht hat, neue therapeutische und diagnostische Optionen für Hauterkrankungen sowie Präventionsmodelle für Erwachsene und Kinder nach nationalen und internationalen Standards auf höchstem universitärem Niveau zu entwickeln. Das CRC bietet Patienten einen Zugang zu neuen Therapien und klinischen Forschungsprojekten. Hier wird unter anderem auch die Urtikaria erforscht.

Frau Prof. Dr. med. Staubach-Renz betreut ebenfalls die Urtikaria-Sprechstunde an der Universitätsklinik. Hier werden Kinder und Erwachsene mit verschiedenen Formen der Urtikaria versorgt.

Katrin G: Ich erlebe als Mutter große Vorsicht, wenn ich mein Kind zur Schule oder in den Kindergarten bringe. Es werden Dokumente und Anweisungen eines Arztes zur Urtikaria angefordert (z.B. Epipen). Wie müssen Pädagogen im Fall eines Schocks durch Urtikaria oder in einer sonstigen Notfallsituation – wie zum Beispiel Atemnot – handeln, damit sie sich nicht strafbar machen? Gibt es hierzu rechtliche Regelungen?

Eine chronische Urtikaria ist keine Erkrankung, bei der es bei Kindern zu einem allergischen Schock kommt. Auch Atemnot ist hier nicht beschrieben. Sollte eine andere Allergie mit Anaphylaxie Symptomen vorliegen, muss man dies mit den Pädagogen, bzw. der Leitung der betroffenen Institution besprechen und über die Erkrankung aufklären.

Es muss auch über den Einsatz eines Notfallsets gesprochen werden. Sofern die Kinder kein Allergieset bei sich führen, sollte dieses im Kindergarten bzw. in der Schule für sie hinterlegt werden. Dies handhabt jede Institution unterschiedlich. Eine Gesetzgebung gibt es bislang nicht dazu.

Manchmal gibt es vor Ort Ersthelfer, die ausgebildet sind und die Medikation verabreichen dürfen. Ein Notfallset und ein Allergie-/Anaphylaxieausweis ist bei den betroffenen Kindern im Regelfall vorhanden (Kopie des Ausweises soll der Institution ausgehändigt werden). Ansonsten gibt es in jeder Institution einen Arzt, der gerufen werden kann. Dieser sollte auch informiert werden. Bei Anaphylaxie sollte außerdem der NOTRUF getätigt werden.

Cleo W. möchte gern wissen, ob es derzeit eine Studie an der Uniklinik Mainz gibt, bei der Ligelizumab getestet wird.

Ja, hierzu gibt es aktuell zwei Studien. Es läuft eine Studie für Erwachsene und eine für Kinder ab dem 12. Lebensjahr. Es wurden bereits die ersten Kinder erfolgreich in die Studie aufgenommen. Betroffene können sich gerne bei uns melden, um weitere Informationen zu erhalten: crc-hautklinik@unimedizin-mainz.de. Es können auch Ihnen dann auch weitere Zentren in ihrer Nähe genannt werden.

Warum haben Sie sich auf die Behandlung von Urtikaria bei Kindern spezialisiert?

Ich habe mit der Behandlung von Erwachsenen, die an Urtikaria erkrankt sind, begonnen. In der Urtikaria- Sprechstunde haben viele Eltern ihre kranken Kinder vorgestellt. In den Publikationen hieß es immer, dass Kinder nur selten betroffen seien. Das sah ich damals ganz anders. Es kamen vorwiegend schwerstbetroffene Kinder mit Quaddeln und Angioödemen zu mir. Es ist schön zu merken, dass sich Eltern in meiner Sprechstunde gut aufgehoben fühlen. Wir wissen, dass die Urtikaria eben auch bei Kindern auftaucht und wie wir damit umgehen können. Wir zeigen den Eltern den Ablauf und die Alternativen auf.

Was ist das Besondere bei der Behandlung von Kindern, die an Urtikaria erkrankt sind?

Das Besondere an der Behandlung ist, dass die Eltern und die kleinen Patienten sehr verzweifelt sich, da sich bislang niemand mit der Erkrankung bei Kindern auskannte. Daher werden die therapeutischen Schritte meist auch nur sehr zögerlich eingeleitet. Die Therapie ist aber fast vergleichbar mit der von Erwachsenen. Mit viel Erfahrung und einem großen Wissen, kann man schnell und gut helfen. So sind die Kinder gut versorgt und erhalten damit ihre Lebensqualität zurück.

Was möchten Sie Eltern von betroffenen Kindern ans Herz legen/mitgeben?

Die Kinder sollten schnell und ausreichend mit den Medikamenten, die zur Verfügung stehen – ggf. auch höher dosiert als in der Packungsbeilage empfohlen -, therapiert werden. Gleichzeitig kann bei länger anhaltenden Symptomen oder einem bestimmten Verdacht, eine Ursachenforschung erfolgen. Wichtig ist aber zunächst einmal eine gute medikamentöse Versorgung. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Bei Verdacht auf eine Allergie (kommt selten vor), sollte zu der Behandlung mit Medikamenten auch eine sofortige Abklärung, bzw. sofortiges Meiden des relevanten Allergens erfolgen.

Wir freuen uns auch sehr, wenn Sie uns einen tieferen Einblick gewähren und eventuell zu neuen Studien berichten:

Wir haben das große Glück, dass in Europa und damit auch in Deutschland Studien für Kinder nicht mehr gefürchtet werden. Es ist mittlerweile für Firmen sogar verpflichtend, bei der Markteinführung neuer Inhaltsstoffe, auch Kinderstudien zu erstellen. Meist beginnen die Studien bei Kindern ab dem 12. Lebensjahr. Nachdem die Ergebnisse dieser Studien vorliegen, werden sie für jüngere Kinder fortgeführt. Dies ist ein großer Gewinn für die Patientenversorgung. Die Sicherheitsdaten können frühzeitig generiert werden und es muss nicht mehr alles im Off-Label Bereich verordnet werden, wie es früher der Fall war.

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